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Dr. med. Konstantin MOSKVITIN

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

blog
21. Jan 2013 Depression

Wie entsteht Depression? Darüber wird seit langen Jahren diskutiert, und die Diskussion wird mit dem Fortschritt der Neurowissenschaft immer komplexer. Es sind jedoch des Öfteren einfache Beobachtungen aus dem ärztlichen Alltag, welche die Wissenschaftler anspornen, Dingen auf den Grund zu gehen. Man weiss z.B. dass Menschen mit entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma häufiger depressiv sind. Das verwundert nicht wirklich: jeder, der über längere Zeit Schmerzen gehabt hat, kann es nachvollziehen. Man weiss aber auch, dass ein Drittel von depressiv Erkrankten in Blut erhöhte Entzündungszeichen hat, obwohl sie keine körperliche Krankheit haben, welche dieser Anstieg erklären kann. Beachtet man, dass während Interferon-Behandlung starke Depressionen auftreten können, wird das Bild richtig interessant. Interferon ist nämlich ein Gewebshormon, welches in der Entzündung eine sehr wichtige Rolle spielt. Es fragt sich also, ob Depression eine entzündliche Krankheit ist. Die aktuelle Forschung geht zwar davon nicht aus, zeigt aber, dass Entzündung in der Entstehung der Depression von Bedeutung sein kann. Sie stört direkt den Botenstoff-Kreislauf im Gehirn und ruft ausserdem ein „Krankheitsverhlaten“ („sickness behaviour“) hervor: der Betroffene schont sich und zieht sich zurück. Bei besonders Verwundbaren kann dies eine vorbestehende Depressionsneigung erhöhen. Bleibt die Entzündung bestehen, wird diese Neigung weiter verstärkt und so auf mehreren Wegen zum Fortdauern der Depression geführt.

Die Evolution hat unser Spezies im Laufe der Zeit immer besser an die Umgebung angepasst. Weshalb wurde dann die Depression, die die Aktivität von Menschen stark einschränkt und die Lebenserwartung verkürzt evolutionär nicht eliminiert? Auch hier lohnt sich ein Blick in die Wechselwirkung zwischen Immunabwehr und Stimmung. Da Infektionen in der Vergangenheit die häufigste Todesursache waren, haben sie stark in die genetische Vielfalt der Menschheit eingegriffen und durch natürliche Selektion das Überleben von besonders Widerstandsfähigen gesichert. Sich gegen Infektionen effizient schützen bedeutet aber auch, sich rechtzeitig aus einer potenziell gefährlichen Umgebung zu entfernen oder sich nicht übermässig Belastungen auszusetzten. Genau das bewirkt das „sickness behaviour“, also eine Reaktion auf die Infektion, aber auch die Depression, welche u.U. unabhängig von der Entzündung auftritt. Was also sonst als Zeichen der Schwäche angesehen werden kann, bringt Vorteile mit sich, denn nur wer überlebt, kann seine Gene weitergeben.

über mich

Studium der Humanmedizin in Russland und Deutschland. Weiterbildung zum Arzt für Psychiatrie (Russland) und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Deutschland). Promotion an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern zum Thema „Psychopharmakologische Interventionsstrategien bei schizophrenen Psychosen: eine naturalistische und randomisierte Vergleichsstudie“. Seit 1997 in verschiedenen Universitätskliniken in Deutschland und in der Schweiz tätig. Seit 2009 Oberarzt beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich. Im Jahre 2011 Niederlassung als Psychiater und Psychotherapeut in Zürich und Basel.

Publikationen

  • 1. Spiesshofer M, Keller A, Endrass J, Meyer T, Moskvitin K, Rossegger A: Indikatoren für den Behandlungsverlauf einer stationären Entwöhnungsbehandlung Alkoholkranker. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie, 2011.
  • 2. Urbaniok F, Laubacher A, Hardegger J, Rossegger A, Endrass J, Moskvitin K: Neurobiological Determinism: Human Freedom of Choice and Criminal Responsibility. International Journal of Offender Therapy and Comparative Criminology, 2012, 56(2):174-190
  • 3. Endrass J, Urbaniok F, Laubacher A, Rossegger A, Schnyder Pierce C, Moskvitin K: Procedures for preventing juvenile violence in Switzerland: The Zurich model. New Directions for Youth Development, 2011, 129:79-87.
  • 4. Rossegger A, Laubacher A, Moskvitin K, Villmar T, Palermo GB, Endrass J: Risk Assessment Instruments in Repeat Offending: The Usefulness of FOTRES. International Journal Offender Therapy Comparative Criminology. 2011, 55(5): 716-731.
  • 5. Laubacher A, Lau S, Stutz S, Moskvitin K: Mütter, die ihre Kinder töten - Übersichtsarbeit zu mütterlichem Pädizid/Filizid. Kriminalistik. 2011,(11):644-648
  • 6. Moskvitin K. Ethische Aspekte der psychiatrischen Grundversorgung in Ausschaffungshaft. Bioethica Forum. 2012, 5(4)
  • 7. Walther S, Moggi F, Horn H, Moskvitin K, Maier N, Abderhalten C, Strik W, Müller T. Rapid tranquilization of severely agitated patients with schizophrenia spectrum disorders: a naturalistic, rater-blinded, randomized controlled study with oral haloperidol, risperidone, and olanzapine treatment. Journal of Clinical Psychopharmacology, 2013 (in press)
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